1Was bedeutet Anästhesie?
Anästhesie bedeutet eine Ausschaltung der Schmerzleitung. Sie betrifft entweder den gesamten Körper, einzelne Regionen des Körpers, Körperteile oder nur einzelne Organe. Im Rahmen einer Anästhesie ist es möglich, zu operieren, ohne dass Schmerzen empfunden werden.
2Welche Arten der Anästhesie kennen wir heute?
Vollnarkose = Totalanästhesie Die ist die Ausschaltung der Schmerzleitung, die den gesamten Körper betrifft. Als Patient schlafe ich tief und merke keinerlei Schmerzen. Regionalanästhesie Hier wird lediglich ein Körperteil, eine Körperregion „ausgeschaltet“. Als Patient bleibe ich in der Regel wach, kann aber auch ein leichtes Schlafmittel erhalten. Diese Form der Anästhesie eignet sich vor allem für Operationen an Armen und Beinen. Lokal-Anästhesie Bei der sogenannten LA wird nur ein Organ bzw. eine kleine Körperregion „ausgeschaltet“. Die LA eignet sich vor allem für kleinere operative Eingriffe, die örtlich auf ein Körperareal begrenzt sind.
3Wie kann ich Vollnarkose verstehen?
Eine Vollnarkose besteht im Wesentlichen aus zwei Bausteinen. Baustein I ist die Schmerzausschaltung des gesamten Körpers. Baustein II ist der Schlaf. Die Schmerzausschaltung des gesamten Körpers ohne zusätzlichen Schlaf ist zur Zeit ohne unangenehme Begleiterscheinungen nicht möglich. Der reine Schlaf ohne Schmerzausschaltung reicht für eine Operation nicht aus. Die Kombination aus beiden Bausteinen aber macht eine Operation ohne Wahrnehmung der Schmerzen möglich.
4Wenn das so einfach ist, wozu brauche ich dann einen Narkosearzt?
Beide Bausteine werden mit Medikamente geführt, über deren Wirkungen und Nebenwirkungen der Arzt genauestens Bescheid wissen muß. Darüber hinaus muß er in der Lage sein, die Nebenwirkungen im Ernstfall zu behandeln. Auch vorhersehbare oder unvorhersehbare Reaktionen des Patienten auf die Narkose oder auch die Operation muß der Arzt erkennen und behandeln können.
5Welche Ausbildung hat ein Facharzt für Anästhesie?
Nach dem „normalen“ Studium der allgemeinen Medizin und der Approbation hat ein Anästhesist in der Regel mindestens 5 Jahre Klinik Erfahrung erworben. Während dieser Zeit muß er mehrere tausend Anästhesien eigenverantwortlich durchgeführt und diese nachgewiesen haben. Normalerweise hat ein Facharzt während seiner Ausbildung in unterschiedlichen Anästhesie-Abteilungen durchlaufen und hat verantwortlich auf mindestens einer Intensivstation gearbeitet. Viele Anästhesisten besetzen während Ihre Klinikzeit auch einen Notarztwagen (z.B. der Feuerwehr in München). Den Abschluß der Facharztausbildung bildet eine Facharztprüfung vor einer Kommission der Ärztekammer. Danach unterscheiden sich Fachärzte vor allem durch weitere Berufserfahrung. Fragen Sie Ihren Anästhesisten nach seiner Erfahrung!
6Gibt es bei einer Vollnarkose noch weitere Bausteine?
Ja! Manchmal ist es wichtig, dass während einer Operation einige Muskelgruppen still gelegt werde. Das kann der Anästhesist durch Medikamente erreichen. Diesen Baustein nennt man Relaxierung. Wenn dieser Baustein benötigt wird, kann der Patient nicht mehr selbständig atmen. Dann übernimmt der Anästhesist normalerweise einen Teil der Beatmung.
7Gibt es Gründe, warum der Anästhesist auch ohne Relaxierung beatmen muß?
Ja. Viele der Medikamente, die im Rahmen einer Anästhesie verwendet werden, führen zu einer Einschränkung der Spontanatmung. Zumindest eine Unterstützung der Atmung durch den Anästhesisten ist dann notwendig.
8Bezahlt die gesetzliche Krankenkasse meine ambulante Operation?
Fast alle ambulanten Operationen und die dazu notwendige Narkose werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Sie brauchen nur Ihre Chipkarte vorzulegen. Der weitere Ablauf erledigt sich für Sie ganz einfach und unbürokratisch. Nur wenige Operationen sind hiervon ausgenommen. Ihr Operateur oder Ihr ambulantes Anästhesieteam informiert Sie gerne darüber.
9An wen kann ich mich wenden wenn ich nach der Operation zu Hause bin?
Sie erhalten in jedem Fall eine Telefonnummer unter der entweder der Operateur oder der Anästhesist zu erreichen sind. In unklaren Situationen können Sie sich dort jederzeit Rat und Hilfe holen. Wir werden Sie aber natürlich erst dann aus unserer Obhut entlassen, wenn wir sicher sind, dass zu Hause keine Probleme mehr auftreten können. Trotzdem sollten zu Ihrer Betreuung am ersten Tag und in der Nacht eine erwachsene Person zugegen sein. Lassen Sie sich etwas verwöhnen.
10... und wie steht es mit der Sicherheit?
Sicherheit ist das Wichtigste in meiner Praxis! Sie schlafen, ich kümmern mich um Sie! Obwohl Sie nicht im Krankenhaus sind, müssen Sie jedoch nicht auf den Standard einer modernen Klinik verzichten. Während der gesamten Narkose werden Sie ständig von einem erfahrenen Facharzt für Anästhesie betreut. Ihre wichtigsten Körperfunktionen, wie Herzschlag, Blutdruck, Atmung, Sauerstoffgehalt des Blutes und vieles Andere wird ständig von modernen Messgeräten erfasst und vermittelt dem Narkosearzt ein vollständiges Bild Ihres Gesundheitszustandes.
11... was ist mit den Schmerzen nach der Operation?
Eine Operation ganz ohne Schmerzen wird es wohl nie geben. Hinzu kommt dass der Schmerz sehr unterschiedlich empfunden wird. Für manche Patienten sind die Schmerzen nach einer Operation kaum spürbar, Andere dagegen erleben sie intensiver. Wir kümmern uns ganz individuell um Ihre Schmerzen und um deren Ausschaltung bzw. Minderung. Dies beginnt schon während der Narkose. Dort werden bereits Medikamente gegeben, die den Schmerz nach der Operation ausschalten und über einen längeren Zeitraum weiter wirken. Außerdem erhalten sie Medikamente für den Bedarfsfall zu Hause, die wirksam und trotzdem kaum mit Nebenwirkungen beiastet sind.
12Was muss unbedingt beachtet werden?
Jeder Patient, bei dem eine ambulante Operation geplant ist, erhält vorher ein Narkosevorgespräch (telefonisch oder persönlich). Sinn dieses Gesprächs ist es, den Patienten kennenzulernen, seine Krankengeschichte und seinen aktuellen Gesundheitszustand zu erfassen. Abhängig von diesen Erkenntnissen wird die Narkose ganz individuell auf den Patienten „zugeschnitten". Auch als Patient muss man ein Wenig dafür tun, dass die Sicherheit der Narkose gewährleistet ist: - wer an einer chronischen Krankheit leidet und bei einem Internisten oder Hausarzt in Behandlung ist, bringt am besten alle schon vorhandenen Untersuchungsergebnisse wie z.B. EKG, Röntgenbilder, Blutwerte u.a. mit. Das Nüchternheitsgebot (mindestens 6 Stunden vor dem Operationsbeginn nicht essen und 4 Stunden nicht trinken, rauchen, keine Bonbons lutschen und kein Kaugummi kauen) ist keine Schikane des Narkosearztes. Der Grund liegt darin, dass der Magen zur Narkose leer sein muss , damit kein Mageninhalt aus der Speiseröhre in die Lunge fließen kann und dort gefährliche Lungenentzündungen verursachen kann. Auch Rauchen erhöht die Menge des Magensaftes ! - Anordnungen aus dem Vorgespräch, wie z.B. Medikamenteneinnahme, sind genau zu beachten. - Eine Begleitung nach Hause und noch besser eine Betreuung für die ersten 12 Stunden nach der Operation sind vor allem für allein lebende Menschen Pflicht.
13Warum ist es vorteilhaft für mein Kind ambulant operiert zu werden?
Es gibt eine Reihe von Operationen, deren ambulante Durchführung gerade bei Kindern von großem Vorteil ist. Der Aufenthalt in der fremden Umgebung wird so kurz wie möglich gehalten und Sie und Ihr Kind sind ganz schnell wieder zu Hause. Man erspart dem Kind außerdem den Krankenhausaufenthalt, der länger dauert und für viele Kinder angstbeladen Ist. Im „ kleinen Kreis" dreht sich alles um Ihr Kind. Es ist die Hauptperson! Nach der Operation können Sie Ihr Kind dann auch zu Hause, in der vertrauten häuslichen Atmosphäre, so richtig umsorgen und verwöhnen.
14Wie wird die Narkose für mein Kind ablaufen?
Jedes Kind, das vom Operateur für eine ambulante Operation vorgesehen ist, erhält vorher ein ausführliches Narkosevorgespräch und eine dazu gehörende körperliche Untersuchung. Während dieses Gespräches erfragt der Anästhesist Geburtsverlauf, Entwicklung, Kinderkrankheiten und vieles andere, die Gesundheit Ihres Kindes betreffend. Es ist sehr hilfreich, wenn Sie Untersuchungsbefunde (falls vorhanden), das Impfbuch und das gelbe Vorsorgeheft Ihres Kindes mit zu diesem Gespräch bringen. In diesem Vorgespräch können Sie dem Narkosearzt alle Fragen stellen, die Ihnen am Herzen liegen. Vielleicht machen Sie sich zu Hause schon mal ein paar Notizen. Wenn alle Fragen geklärt sind und Ihr Kind gesund ist, erhalten Sie den genauen Operationstermin. Sie kommen zum vereinbarten Zeitpunkt in die Praxis und werden vom Anästhesisten begrüßt. Er fragt noch einmal, ob ihr Kind nicht erkältet ist und auch, wie vereinbart, nichts gegessen und getrunken hat. Dann dürfen Sie Ihr Kind ausziehen, Unterwäsche und Socken werden anbehalten. Das liebste Kuscheltier und vielleicht die Schmusedecke und Mama oder Papa dürfen teilweise mit in den Operationsraum. Im OP wird den kleineren Kindern eine kleine Maske, wie zum Inhalieren aufgesetzt. Über diese Maske atmen sie ein Narkosegas, durch das sie rasch einschlafen. Zur Ablenkung spielen wir mit den Kleinen das Pilotenspiel, das Rennfahrerspiel oder stellen ihnen unsere "Luftballonaufblashilfsmaschine" vor. Manche Kinder wünschen sich auch eine kleine Geschichte zum Einschlafen . Unserer, Ihrer und der Fantasie Ihres Kindes sind in der Erfindung neuer Einschlafspiele keine Grenzen gesetzt. Wünsche und neue Anregungen sind uns sehr willkommen. Bei größeren Kindern,ungefähr ab sechs bis sieben Jahren wird die Narkose über die Vene (i.V.) eingeleitet. D.h., das Kind erhält schon vor dem Einschlafen eine kleine Venenverweilkanüle, über die ein Einschlafmittel gespritzt wird. Das geht ganz rasch und wird von den Kindern als angenehm empfunden. Nun schläft Ihr Liebling, und Sie müssen den OP verlassen. Nach einer halben bis einer Stunde, je nach Art der Operation, wird Ihr Kind wieder zu Ihnen in den Aufwachraum gebracht. Es schläft dann noch ganz leicht und wird bei Ihnen vollständig erwachen. So unterschiedlich wie die Kinder sind, so unterschiedlich ist auch ihr Aufwachverhalten. Die einen sind ganz plötzlich munter und fangen an zu erzählen, die anderen brauchen noch ein paar Schmuseeinheiten in Mamas oder Papas Arm, um sich zu erholen. Wir geben Ihnen Zeit um sich ganz auf die Bedürfnisse Ihres Kindes einzustellen und ihm die Aufwachphase so angenehm wie möglich zu gestalten.
15Wann kann ich mit meinem Kind nach Hause?
Wenn Ihr Kind vollständig wach ist, keine Schmerzen hat, und der Operateur, als auch Anästhesist grünes Licht gibt, können Sie nach Hause gehen. Das ist, abhängig von der Operation, schon nach 2-3 Stunden möglich. Am Besten Sie lassen sich abholen oder fahren mit dem Taxi. Öffentliche Verkehrsmittel sollten in dieser Zeit nicht benutzt werden. Auch das Fahren im Auto alleine ohne Begleitperson empfiehlt sich nicht, denn Sie können sich im Zweifel nicht gleichzeitig um den Verkehr UND Ihr Kind kümmern. In einzelnen Fällen ist auch ein Krankentransport möglich. Zu Hause sollten Ihr Kind und Sie sich erst einmal ausruhen. Gönnen Sie sich diese kleine Auszeit. Ein Tipp: kaufen Sie alle notwendigen Dinge, wie Essen, Getränke u.s.w. am Vortag ein, damit Sie nicht mehr aus dem Haus müssen.